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Star Trek Rollenspiel
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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Fr 6. Mai 2011, 02:02 
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Eintrag 31 von Rapet Desbran am 11.03.2011, 15:18

Das Ehepaar Simdova bestand, wie jede andorianische Ehe, nicht aus zwei, sondern aus vier Leuten: Kulturattachée Rilek, ihre Frau Beron, und ihre beiden Männer Elek und Meret. Sie hatten zu ihrer jährlichen Soirée geladen, die sich auf der Einladung als 'Ein Abend mit andorianischer Kultur' ausgab. Wie Jerl erklärte, als Rapet die geprägte Karte ratlos in Händen drehte, war das ein Abend, zu dem eingeladen worden zu sein eine Ehre bedeutete.

Neidische Nichteingeladene erklärten das gerne als Entschuldigung, sich mit den nicht oder weniger toxischen Appetithappen der Andorianer vollzustopfen. Tatsächlich aber konnte man dort einiges über die Kultur lernen, denn andorianische Künstler trugen Gedichte und Lieder vor, einige der weniger komplizierten andorianischen Schreittänze wurden gelehrt, und es gab philosophische Gesprächsrunden, in denen die Welt aus andorianischer Sicht diskutiert wurde.

"Ohoh." Rapet hatte die Einladung fallen lassen, als wäre sie plötzlich in Brand geraten. "Hab ich mich falsch verbeugt oder sowas?"

"Nein, du hast eine Situation entschärft, die für Andorianer sehr peinlich zu werden drohte, und das ist ihre Art, sich zu bedanken." Jerl hatte die Einladung vom Boden aufgehoben und sie auf dem kleinen Sekretär plaziert.

"Erinner mich bloß nicht daran. Ich musste Lady Thorrington-Withermoore einen ganzen Fruchtcocktail über das Kleid gießen..." Rapet war beim Gedanken an diesen Vorfall erneut errötet. "Und wieso haben sie dich nicht eingeladen?"

Jerl war in Lachen ausgebrochen. "Weil ich nur als dein männliches Accessoire herumstand und keinen Anteil an deinem Tun hatte. Ich habe nur artige Konversation gemacht, nachdem du abgezogen warst."

***

Die Gesellschaft war prachtvoll, und zum ersten mal wurde Rapet nicht vom Funkeln tonnenschweren Geschmeides geblendet, denn abgesehen von smbolischem Schmuck wie Eheringen oder bajoranischem Ohrgehänge trug niemand welchen. Stattdessen trugen alle Eingeladenen etwas blaues, sogar die Gattin des Präsidenten der galaktischen Handelskammer, Ram Keylin, trug eine dunkelblaue, fließende Toilette. Allerdings waren ihre Ansteckblumen diesesmal nicht tropisch bunt, sondern weiß. Rapet selbst trug ein schlichtes eisblaues Gewand, deren in allen Blautönen schimmernde Gütelschärpe den Färber vermutlich an den Rand des Wahnsinns getrieben hatte.

Es waren genausoviele Andorianer wie Nichtandorianer da, und nach endlosen Vorstellungen, bei denen Rapet ihr Gedächtnis mächtig anstrengen musste, die all die Namen den richtigen Gesichtern zuzuordnen, wurde ihr ihre Begleitung für den Abend vorgestellt, ein junger Mann namens Darlek.

Es war ein Erlebnis. Rapet hatte Holovorträge gesehen, aber kein Holovortrag konnte wiedergeben, wie wirkungsvoll andorianische Poesie war. Sie wurde im Original vorgetragen, anschliessend übersetzt und erklärt. Der Gesang, zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, hatte eine unerwartete Tiefe, und die andorianische Sprache bekam auf einmal ganz andere Dimensionen, als wenn man nur das militärische Gerede von andorianischen Schiffen hörte.

Und die Tänze erst! Andorianische Tänze hatten nur wenige spontane Elemente, jede Geste, jede Körperhaltung hatte eine bestimmte Bedeutung... Rapet war hingerissen.

In einer Tanzpause, in der kleine Erfrischungen gereicht wurden, fand Attachée Rilek Rapet auf der Terrasse, wo Darlek ihr gerade die Anlage des Garten erklärte. Kaum wurde er der Attachée gewahr, verdunstete er irgendwohin.

"Gefällt es Ihnen, Ms Desbran?"

"Sehr, Geehrte Rilek." Rapet verbeugte sich in exakt der vorgeschriebenen Tiefe. "Ich hatte niemals vorher die Möglichkeit auf diese Weise zu tanzen und hoffe, ich stelle mich nicht zu unbeholfen an."

"Für einen Menschen machen Sie das ausgezeichnet, Ms Desbran." Die Andorianerin zögerte einen Moment, und sprach dann weiter: "Ich würde Sie gerne etwas fragen, aber es gibt in meiner Kultur keine Möglichkeit, das zu tun, ohne brüsk und unhöflich zu erscheinen. Dürfte ich Ihnen eine Frage stellen wie ein Mensch?"

"Sie würden mir aus einer grossen Verlegenheit helfen, wenn Sie das täten, Geehrte Rilek." Rapet neigte den Kopf in einem Winkel, der einem Andorianer andeuten sollte, dass sie über einen eventuellen Faux Pas hinwegsehen würde. "Ich verfüge nicht über Ihre Körpersprachefähigkeiten und kann mich daher nicht immer angemessen ausdrücken. Was möchten Sie denn wissen?"

"Kommen Sie, lassen Sie uns in den Garten gehen, den Darlek Ihnen gerade so ausgiebig erklärt hat. Was mich interessiert – was uns eigentlich alle hier interessiert – warum interessiert sich ein Mensch wie Sie für andorianische Tänze und Poesie?"

"Sie meinen, ein gesellschaftlicher Niemand wie ich?" Rileks Fühler stellten sich alarmiert auf, aber Rapet hob die Hand. "Wir wollten reden wie Menschen, nicht wahr? Für Sie bin ich ein Niemand, und meine Anwesenheit hier ist nicht mein Verdienst, ich verdanke sie dem Sohn von Botschafter Mrreet."

Nun war es an Rilek, sich zu verneigen. "Ich habe nicht die richtigen Worte gewählt, verzeihen Sie. Was ich meinte, war: Ihre Wissbegierde ist eine ungewöhnliche Erscheinung an einem Sternenflottenoffizier, Ms Desbran."

"Vielleicht bin ich unentschuldbar neugierig, Geehrte, aber über Ihr Volk gibt es alles mögliche zu lesen: Geschichte, Politik, Staatenbildung, Kolonialisierung – nur nichts über das Volk selber. Ich wollte immer schon gerne etwas über ihre Kultur abseits von Politik erfahren." Rapet suchte nach den richtigen Worten.

"Wir haben alle eine Kultur, in der wir singen und tanzen, Musik machen, Gedichte schreiben, trauern oder fröhlich sind. Das ist das, was meiner Meinung nach ein Volk ausmacht, nicht nur das, was irgend ein Politiker oder General zu irgendeinem Zeitpunkt einmal gesagt oder getan hat." Rapet spreizte in einer hilflosen Geste die Finger: "Vermutlich bräuchte ich ein paar Fühler, um das angemessen auszudrücken: Ich möchte verstehen."

Nachdenklich betrachtete Kulturattachée Rilek die immer noch gespreizten Finger. "Und – was nützt das Verstehen einem Sternenflottenoffizier?"

"Gar nichts, Geehrte." Rapet lächelte. "Mein Wissensdurst hat nichts mit meinem Beruf zu tun, ich würde es auch wissen wollen, wenn ich Kellnerin in einer Spacerbar wäre. Ich lerne für mich, und ich bin geehrt, weil Sie mir Gelegenheit dazu geben."

"Die Ehre ist auf meiner Seite, Ms Desbran, denn Sie haben auch mich soeben etwas über Menschen gelehrt. Lassen Sie uns zurückgehen, dann werden sie Andorianer von ihrer ausgelassenen Seite sehen – jedenfalls so ausgelassen, wie es für uns möglich ist. Der nächste Tanz dreht sich um den Frühling und die damit verbundenen Möglichkeiten, neue Kontakte zu knüpfen. Für einen Andorianer geradezu frivol."

Während sie über die sorgfältig gelegten Softbrickwege zurückgingen, raffte Rapet ihren gesammelten Mut zusammen. "Dürfte ich auch eine Frage stellen, Geehrte?"

"Selbstverständlich, Ms Desbran."

"Es heißt, dass man bei den Tänzen auf KEINEN Fall die Hände unterhalb der Taille sinken lassen soll. Trotzdem hat mein Tanzpartner das bei dem letzten Tanz zweimal gemacht, bis ihn jemand angezischelt hat. Habe ich etwas falsch verstanden? Hätte ich die Geste aus Höflichkeit nachahmen sollen?"

Bisher hatte Rapet nicht angenommen, dass Andorianer auch kichern können, aber eindeutig: Attachée Rilek kicherte hinter vorgehaltener Hand. "Ich hätte mir denken können, dass Sie das bemerkt haben, Ms Desbran. Ihr Begleiter ist sehr eingenommen von Ihnen, denn mit der Geste hat er Ihnen Avancen gemacht, was er einem Gast gegenüber nicht hätte tun sollen, zumal wenn dieser die besondere Bedeutung der Handhaltung nicht versteht. Wenn Sie also an Ihrem Begleiter nicht auf diese Weise interessiert sind, sollten sie diese Handhaltung besser nicht nachahmen."

Rapet stellte sich kurz die vielfältigen Komplikationen vor. "Ähm... nein, besser nicht." Dann kicherte sie auch los.

Erst kurz vor dem Erreichen der Terrassentür hatten beide Damen es geschafft, ihrer Heiterkeit wieder Herr zu werden, um den Saal mit dem gebotenen würdigem Gesichtsausdruck zu betreten.


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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Fr 6. Mai 2011, 02:06 
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Eintrag 32 von Caerlon Mrreet am 15.03.2011, 04:36

"Das trifft sich gut, Alanna, ich finde dich nämlich auch nicht gänzlich unsympathisch." Biddy hatte nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit, entrüstet zu gucken, dann zog Caerlon sie zu sich herunter. "Ich liebe dich auch, Alanna, und ich hätte nie gedacht, dass du das jemals über die Lippen bekommst. Was hat dich denn aus deinem Schneckenhäuschen gezerrt?"

Ihre Antwort landete undeutlich in seiner Schulter. Caerlon faßte sie beim Kinn und drehte ihren Kopf gerade eben weit genug herum, um sie küssen zu können. Alle weitere Konversation fand wieder nonverbal statt.

Als Caerlon sicher war, dass Biddy fest schlief, erhob er sich leise, schlüpfte in eine lange Tunika und wanderte durch das stille Haus. Kaum hatte er die Tür zu seiner Suite geschlossen, wußte er, dass er nicht als einziger im japanischen Haus wach war und fand Jerl im riesigen Wohnzimmer vor. Sein kleiner Bruder lag langestreckt auf der Couch vor dem Kamin, eine Flasche Whisky zur Gesellschaft. Allerdings war deren Pegel kaum gesunken, und Caerlon beschloss, daran etwas zu ändern.

Jerl machte bereitwillig Platz, als Caerlon sich zu ihm setzte. "Machst du dir irgendwann mal keine Sorgen über irgendwas?"

"Naja..." meinte Caerlon leichthin. "Du weißt doch, wie das ist. Die Arbeit eines Captain ist nie getan."

"Ach, ist Biddy jetzt der Flotte beigetreten?" Leicht wich Jerl dem brüderlichen Nackenschlag aus. "Trau dich ja nicht. Ich sag es Rapet, dass du mich schlägst. Was ist dein Problem, großer Bruder?"

"Ich habe einen neugierigen kleinen Bruder." Caerlon beschäftigte sich mit dem Inhalt seines Glases.

"Machen wir einen Deal, Caer. Du erzählst mir von deinen Sorgen, und ich erzähl dir von meinen – wie früher."

"Ich weiß nicht, ob das so einfach ist, Jerl."

"Versuch's."

"Was soll ich sagen? Biddy hat... sich erklärt."

"Mann, ich wünschte, meine Kleine täte das auch, aber in der Beziehung ist eine Auster redselig. Wenn du mich fragst, wurde das langsam mal Zeit. Die ganze Galaxis müsste inzwischen wissen, dass ihr beide ineinander verschossen seid, spätestens seit die Aufzeichnung deines Kampfes auf der tengchaH 12 auch auf den letzten Backwaterplaneten ausgestrahlt wurde. Einzig deine Besatzung tut noch so, als wärt ihr lediglich Brieffreunde. Wieso treibt dich Biddys Liebeserklärung jetzt an meine Whiskyflasche?"

"Sie hat einen Mann und ein Kind in einem anderen Universum, zu dem uns der Zugang noch verschlossen ist. Vielleicht finden wir den Zugang nie, aber genausogut kann es sein, dass wir ihn nächste Woche finden. Wie kann ich mir ein Leben mit Biddy einrichten, wenn ich weiß, dass sie in ihr Universum zurückkehren wird, sobald die Möglichkeit dazu geschaffen wurde?"

"Du mußt wirklich nachgelassen haben, wenn sie dich verlassen würde."

"Sei doch mal ernst." Caerlon knuffte seinen Bruder in die Rippen. "Nach allem, was ich über den Mann weiss, ist er ein Kotzbrocken. Seinetwegen wird sie bestimmt nicht zurückkehren. Aber es geht auch gar nicht um meine Attraktivität, sondern um Biddys Tochter, die nun schon seit drei Jahren bei ihrem Vater lebt und nicht weiss, was aus ihrer Mutter geworden ist."

"Autsch. Und du kannst nicht wirklich was Ernsthaftes mit ihr anfangen, wenn alles so in der Schwebe ist. Schwierige Situation. Was soll sie sagen: 'Liebling, ich finde dich furchtbar toll, aber sobald mein Universum offen ist, bist du Geschichte.' Und wenn sie sich entscheidet, hierzubleiben, komme, was da wolle, könnte sie sich den Rest ihres Lebens Vorwürfe machen, dass sie nie versucht hat, an ihre Tochter heranzukommen." Großzügig schenkte Jerl seinem Bruder Whisky nach. "Ich verstehe dein Problem. Sie kann sich nicht entscheiden, solange sie nicht weiss, ob der Weg zu ihrer Tochter jemals frei wird. Und du kannst ihr keinen wie auch immer gearteten Antrag machen, solange sie sich nicht entschieden hat, was sie will."

"Genau, Kleiner. Und was ist dein Problem? Mein nicht redseliger Lieutenant? Wie ist sie überhaupt zu einer Einladung zum andorianischen Kulturabend gekommen?"

"Sie hat eine von Amor beflügelte Dame daran gehindert, sich mit aller Entschlossenheit dem jüngeren Mann von Attachée Rilek Simdova zu nähern." umschrieb Jerl die unschöne Szene.

"Lass mich raten. Lady Thorrington-Withermoore?" Caerlon nippte an seinem Glas. "Jedes Jahr wieder versucht sie entschlossen, sich einen... Ausserirdischen zu kapern. Wenn Ms Desbran die Dame an ihrem Vorhaben hindern konnte, muß sie ebenso entschlossen vorgegangen sein."

"Sie hat ihr ein Glas Fruchtcocktail über das Kleid gekippt. Leuchtendrosa Dersksaft auf weißem Kleid. Du kannst dir die Wirkung vorstellen. Anschliessend hat Rapet sich vielfältig entschuldigt und darauf bestanden, der Dame auf der Stelle bei der Bereinigung ihres Versehens behilflich zu sein. Mir blieb die ehrenhafte Aufgabe, mit dem Eheleuten Simdova darüber zu konversieren, wie das Leben wohl gewesen sein mag, als man Wetter noch nicht durch Satelliten kontrollierte."

"Hat Ms Desbran Lady Thorrington-Withermoore im Doppelnelson abtransportiert?"

"Nein, die Lady hatte schliesslich mehr Mitleid mit Rapets Verlegenheit als Lust auf... äh... Dingens, also ließ sie sich schließlich bereitwillig davongeleiten. Rapet im Erschreckten-Miezekatzen-Modus würde einen Cardassianer zu Tränen rühren."

"Eigentlich müsste Ms Desbran eine Frau nach deinem Geschmack sein. Wo liegt das Problem?"

"Wenn ich eine noch so zarte Andeutung über eine engere Beziehung mache, entzieht sie sich mir wie ein Krake. Das kleinste Loch reicht, und sie witscht hindurch. Dann traf sie auf unsere Mutter, und seitdem verbarrikadiert sie sich hinter der mongolischen Mauer. Ich liebe Mama heiss und innig, aber es gibt Momente, da wünsche ich sie mir ein paar hundert Lichtjahre weit weg."

"Das geht mir nicht anders. Aber wieso mongolische Mauer? War das nicht die...?"

"Chinesische Mauer, ja. Aber die ist ein Dreck gegen das, was Rapet aufbauen kann." Jerl bemerkte, dass sein Glas leer war und entkorkte die Flasche. "Nun... wir haben beide Gefühle für einander, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, wie tief das bei ihr geht." Es waren sehr breite zwei Finger, die er einfüllte.

Sein Bruder nahm ihm die Flasche weg. "Lass noch was für mich drin. Wie tief geht es denn bei dir?"

"Jetzt hast du mich erwischt: Ich weiss es nicht. Jedenfalls tiefer als sonst."

"Und dann erwartest du, dass Ms Desbran irgendetwas zugibt? Bastet und Sekhmet haben sie kurzerhand zur Katze ehrenhalber erklärt, es gibt wenig, was ihren Augen entgeht. Und ganz bestimmt entgeht ihr nicht, dass du nicht wirklich weißt, wie es um dich steht. Man sollte dich und Biddy bei Wasser und trockenem Brot einsperren, bis ihr genügend nachgedacht habt."

"Ich bin mir nicht sicher, dass das deine beste Idee ist. Hinterher tun Biddy und ich uns zusammen und verschwinden zusammen im anderen Universum...?"

"Eher mache ich dich dem Erdboden gleich. Lauter kleine schwarze Krümel. Prost, kleiner Bruder."

"Prost, Grosser. Auf die Frauen, und besonders auf die beiden schwierigen Exemplare, an denen uns so viel liegt."

Leise ging die Tür auf, und Rapet trat ins Wohnzimmer. Sie war sichtlich gelöster Stimmung, und die zierlichen Pumps mit den stilisierten Flügelchen baumelten von ihren Fingern. "Hey, hast du auf mich gewartet, Jerl? Es ist doch schon fast drei Uhr! Schade, dass du nicht dabei warst, es war wirklich unterhalt... Captain." Sie fing sich sofort und schaffte es, trotz der baumelnden Schuhe eine Art von Haltung anzunehmen. "Guten Abend, Captain. Entschuldigen Sie, ich habe um diese Uhrzeit nicht mit Ihnen gerechnet. Hatten Sie eine angenehme Anreise?"

Whisky oder nicht, dem Captain war nichts anzumerken, als er sich von der Couch erhob. "Guten Abend, Ms Desbran. Bitte nehmen Sie doch Platz und machen Sie es sich bequem, immerhin sind Sie nicht im Dienst. Und genaugenommen bin ich das auch nicht." Er setzte sich erst wieder, als Rapet sich zögernd in Jerls Arm niedergelassen hatte. "In Anbetracht der Situation schlage ich vor, dass wir uns für die Dauer unseres Aufenthaltes beim Vornamen nennen. Ich möchte gerne zwei Wochen lang nicht mehr Titel hören als ich unbedingt muss. Einverstanden... Rapet?"

"Jawohl, Sir." Sie warf einen zweifelnden Blick auf die fast leere Whiskyflasche. "Ich meine... jawohl, Caerlon."


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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Fr 6. Mai 2011, 02:12 
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Eintrag 33 von Biddy Schatz am 18.03.2011, 23:10

Meine linke Hand lag auf seinem Bauch, mein linkes Bein auf seinem und mein Kopf ruhte auf seinem Arm. Ruhig atmete Caerlon neben mir und ich schlief sofort wieder ein. Irgendwann am späten Vormittag mache ich dann doch die Augen auf und im selben Moment blickten mich seine Augen an. "Guten Morgen, Alanna."

"Guten Morgen, Caerlon." Ich streichelte seinen Bauch. "Danke."

Er schaute mich fragend an.

"Na, für die letzten Stunden."

"Für das Schlafen, oder das, was davor war", neckte er mich.

"Nun, ich meine natürlich die ungestörte Nachtruhe." Meine Fingernägel malten Achten auf seinem Bauch, bis er meine Hand festhielt.

"Möchtest du irgendwann noch einmal aufstehen?"

"Nicht unbedingt….." murmelte ich.

"Das merke ich….."

Eine Stunde später standen wir gemeinsam unter der Dusche und versuchten es wirklich, uns endlich voneinander zu trennen, was uns schwer fiel.

"Alanna, du hättest nicht so voreilig sein sollen mit der Zustimmung zum Ball", nuschelte er zwischen zwei Küssen. Ich kam gar nicht dazu, zu antworten, denn mein Mund war belegt mit seinem.

"Mhhnmhhhh", antwortete ich ihm.

Doch alles hat ein Ende und so waren auch wir irgendwann fertig mit Duschen und Haare trockenen.

So ganz nebenbei bemerkte ich: "Ich habe übrigens nichts zum Anziehen heute Abend."

"Da kann ich Abhilfe schaffen, Gnädigste. Ich habe so etwas geahnt und dir ein Kleid mitgebracht. Ich zeige es dir gleich."

"Hat dir schon jemand einmal gesagt, dass du ein Genie bist?"

"Nein, ich meine, doch. So, meine Liebe, was bekomme ich dafür, dass ich dir dieses Päckchen aushändige?"

Er hielt das Päckchen hinter seinen Rücken und schmunzelte. Ich überlegte... eine Sekunde... zwei Sekunden…… und ließ aufreizend das Badehandtuch fallen, woraufhin er prompt das Päckchen fallen ließ und mich packte und auf das Bett trug. Dann ließ er sich halb auf mir nieder. Er besah mich von oben bis unten, so dass mir schon heiß und kalt wurde mit einem komischen Gefühl im Bauch.

"Alanna, du meinst, dass dir diese Aktion jetzt das klitzekleine Päckchen beschert?"

Ich wand mich unter ihm. "Das war schon immer so: Sex sells. Ich denke schon."

"Das reicht mir aber noch nicht. Ich erwarte da noch einen Obolus… lass dir was einfallen."

"Ich kann mir in dieser Position nichts einfallen lassen. Dazu bin ich zu unbeweglich unter dir."

"Mach, ansonsten gibt's nichts."

Da auch der männlichste aller Männer nur mit einem Badehandtuch bekleidet war fiel es mir nicht schwer, ihn von diesem zu befreien und meiner Phantasie freien Lauf zu lassen. Das Ende vom Lied war, dass es immer später wurde und wir nicht mehr ganz so viel Zeit hatten a) etwas zu essen und b) und gesellschaftsfähig zu machen.

Entkräftet saßen wir auf dem Bett und aßen ein sehr spätes Frühstück, welches wir uns in die Suite hatten bringen lassen.

"Ich habe eigentlich keinerlei Bedürfnis, dich mit irgendeiner Öffentlichkeit zu teile, Biddy."

Ich ersparte mir die Antwort und ließ rein provokativ meine Tunika über die Schulter rutschen. "Ihhh, du... Ferkel."

Caerlon lachte, er hatte mir einen Marmeladenkuss auf die Schulter gedrückt. "Lass mich das mal eben entfernen…"

Doch wo er 'Entfernen' meinte war mitnichten Marmelade. "Du reibst an der falschen Stelle, mein Lieber, weiter oben."

"Ach, ach, das habe ich nicht gesehen."

Ich quietschte auf, als er mir die Marmelade mit unkonventioneller Methode entfernte. Sein Bart kribbelte wie verrückt. "Genug, Commodore, das reicht." Mit strengem Blick gebot ich ihm Einhalt.

"Wie die Dame befehlen!" Er ließ mich los und ich plumpste nach hinten weg. "Jetzt lass mich doch mal in das Päckchen schauen."

Ich rappelte mich wieder hoch, während Caerlon nach dem Ding angelte. Er gab es mir mit einem Lächeln. "Für dich, Alanna, bin gespannt, ob es dir gefällt."

Ich machte die Schleife auf und öffnete das Päckchen. "Ohhhh, ist das traumhaft." Mein Gesicht sprach Bände, als ich die Unterwäsche herausfischte, die so zart war, dass sie kaum auffiel. "Und du meinst, DAS soll ich heute Abend der Öffentlichkeit präsentieren."

"Nein, nicht ganz, DAS präsentierst du nur mir. Aber das..." Er stand auf und nahm ein Kleid aus dem Schrank, das atemberaubend war. Es war dunkelrot, funkelte und war mit kleinen Goldfäden durchzogen. Das Oberteil war eine Corsage mit kleinen Ärmel, die aus Spitze gearbeitet waren, und mit Perlen bestickt. Der Rock bestand aus einem weiten Rock der auf mindestens 5 Lagen Tüll lag. Der Stoff Spinnenseide und mit funkelnden Steinen besetzt. Ich war sprachlos, was so ziemlich selten bis nie vorkam, und staunte.

"Nun, an deiner Reaktion kann ich erahnen, dass es dir gefällt, Alanna."

"Caerlon, das ist das wundervollste Kleid, was ich jemals gesehen habe. Ich... ich... " Ich schluckte. "Danke."

"Gleich wird der Haargestalter kommen, du solltest vielleicht etwas anziehen, was nicht so aufreizend ist wie deine Tunika, sonst duelliere ich mich vielleicht jetzt schon mit Mr. Monk und nicht erst später. Ich werde mich ebenfalls fertig machen."

Ich nickte nur. So standen wir anderthalb Stunden später in feinster Abendgarderobe mit Rapet und Jerl gemeinsam vor dem Haus der Mrreetschen Eltern.


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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Fr 6. Mai 2011, 02:14 
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Eintrag 34 von Biddy Schatz am 28.03.2011, 23:33

Die Eltern des männlichsten aller Männer freuten sich sichtlich uns alle zu sehen. Auch sie sahen wirklich sehr repräsentabel aus. Caerlons Mutter hatte ein überaus elegantes Kleid aus Spinnenseide in edlem grau an, sein Vater einen Smoking in schwarz mit passender Fliege. Ich konnte mir den Hofknicks gerade noch verkneifen, denn beide sahen hinreißend hoheitsvoll und würdig aus. Jerl war lockerte die Atmosphäre auf, indem er seine Mutter vorsichtig in den Arm nahm:

"Mama, du siehst bezaubernd aus."

"Danke, mein Sohn, ihr auch. Guten Abend Ms. Desbran. Schön, dass Sie auch kommen konnten."

Rapet lächelte. "Selbstverständlich Mrs. Mrreet. Ich hätte niemals nein sagen können."

Mrs. Mrreet glasklares Lachen perlte durch das Haus. "Sie sind herzerfrischend, meine Liebe."

Rapet lächelte und Jerl sah man seinen Stolz auf Rapet an. Wer genauer hinschaute, dem wurde in diesem Moment klar, dass Jerl wirklich glücklich war.

Wir erreichten den Ballsaal mit einigen anderen zusammen, das Fest hatte gerade begonnen. Da die Mrreets bislang jedes Jahr an dem Annual Flower teilgenommen hatten, kannten die fast die ganzen Gäste.

Es funkelten Juwelen, die Damen der reichen Galaxis rochen nach erlesenen Düften, die Kronjuwelen wurden zur Schau getragen, es wurde getanzt, feine Luxushäppchen zum Essen wurden gereicht und leichte Konversation war überall zu vernehmen. Hier herrschte eindeutig das Motto. "Sehen und gesehen werden."

Caerlon führte mich im Saal herum, machte mich mit diesen oder jenem bekannt. Seine Hand spürte ich in meinem Rücken und es tat mir wirklich gut, nicht alleine zu sein. Mein Modus war auf den Celebrity Admirals Modus umgeschaltet. Ich benahm mich, als ob ich nie etwas anderes getan hatte - was ich ja auch eigentlich nicht hatte. Wer mich als Pilotin der Van Eupes erlebt hatte könnte jetzt meinen, ich sei eine andere Person. Von Zeit zu Zeit spürte ich, wie Caerlons Vater zu uns rüber schaute, doch ich dachte mir nichts dabei.

"Nun, Alanna, alles ok?"

"Ja, bei dir auch? Ich weiß, wie sehr du solche Veranstaltungen vermeidest, es ist echt unglaublich, dass du heute Abend hier bist und nicht schon vorher Reißaus genommen hast."

Er lachte. "Meinst du, ich hätte eine Wahl gehabt?"

"Nein, nicht wirklich, der Commodore der Flotte sollte auch an solchen Festen teilnehmen. Wer weiß, was du für die Flotte auftun kannst heute Abend."

"Wer weiß, vielleicht einen neuen Schnitt für die Uniformen?"

"Ja in Weiß mit Blütenmuster für die Damen so wie die Präsidentengattin." kicherte ich. In diesem Moment spielte die Musik auf und spielte einen langsamen Wiener Walzer.

"Darf ich Gnädigste um diesen Tanz bitten?"

"Kleinen Moment, ich schaue gerade auf meiner Tanzkarte, ob dieser Tanz noch frei ist….ja, da hat der gnädige Herr Glück gehabt, ich bin noch frei."

Caerlon führte mich auf die Tanzfläche und wir schwebten über das Parkett. Ich spürte seine Hand auf meinem Rücken und es kribbelte. Meine Wangen glühten und meine Gedanken wanderten.
Obwohl Caerlon solche Gelegenheiten vermied wo er konnte, machte dieser Ball ihm auch Spaß. In einer Pauser kam Caerlons Vater auf uns zu uns bat mich galant um den nächsten Tanz. Ich versank in einen Knicks:

"Sehr gerne, Mr. Mrreet."


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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Sa 10. Sep 2011, 06:41 
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Rapet und Jerl blieben nicht lange auf dem Ball. Sobald sie sich mit Anstand entfernen konnten, verdrückten sie sich.

"Ich glaube, das wird NIE meine Art von Leben werden." seufzte Rapet und streifte ihre Schuhe ab.

"Und meine Art Leben ist es nie gewesen." sagte Jerl. "Es hat Vorteile, der jüngere Sohn zu sein – und meine längere Abwesenheit in den Badlands hat mich ohnehin zum Sonderling gemacht."

"Ist vielleicht ganz gut, dass ich kein Toplabel bin. So kann ich noch machen, was ich will. Auf jeden Fall aber scheint es Biddys Welt zu sein. So wie sie sich heute gegeben hat, wird man nicht mehr lange glauben, dass sie von Turkana kommt und nur eine Pilotin ist. Können wir bitte diesen Fummel hier loswerden und irgendwo spazieren rennen?" Rapet zupfte ungeduldig an ihrem Kleid.

"Du sprichst mir aus der Seele. Hast du irgendeine Art von Heia-Safari-Bekleidung mit? Ach nein, ich habe eine bessere Idee. Komm, laufen wir!"

Eine halbe Stunde später lagen beide zusammengekuschelt in einem grossen Schlafsack und betrachteten die Sterne über der Steppenlandschaft.

"Es ist ein bisschen wie auf Crusoe." sagte Jerl. "Hier kommt selten jemand hin."

"Grossartig." seufzte Rapet. "Von mir aus könnte das so bleiben. Was machen wir, wenn jemand kommt? Bringen wir ihn um?"

"Nein, wir bedanken uns höflich für das Frühstück."

"Damit kann ich leben... Apropos leben: Was IST eigentlich dein Leben?"

Jerl zögerte. "Wenn ich das mal wüsste. Es ist nicht so, dass ich nicht weiss, wohin mit meiner Zeit oder meinem Geld: Ich bin sehr gerne Ingenieur und mein Geld ist auch nicht untätig. Abgesehen davon, dass ich schon reich geboren wurde, besitze ich Firmenanteile, Immobilien und alles, was man so als Reichling hat. Ich habe jede Menge Angestellte und Personal, und mein Geld vermehrt sich von allein. Ein nicht unbeträchtlicher Teil davon landet in Stiftungen und wissenschaftlichen Projekten, womit ich zumindest ein bisschen Anteil am gesellschaftlichen Wohlergehen habe. Aber ansonsten.... Ich hab noch nichts gefunden, wovon ich sagen kann: DAS will ich tun, dem will ich mein Leben widmen. Ich such noch, und bis dahin treibe ich eben auf der abenteuerlichen Seite des Lebens vor mich hin. Und was ist DEIN Leben?"

"Mir geht es so ähnlich, abzüglich der Credits. Ich kam aus der mongolischen Steppe in die Stadt um zu lernen. Ich ging zur Sternenflotte, um die Welten zu sehen und mehr zu lernen. Ich steckte Zeit und Energie in die Untersuchung von Firmen, in die ich meine hart verdienten Credits investierte, damit sie sich vermehrten. Mein Ziel war es nie, reich zu sein – ich meine, RICHTIG reich wie du. Wohlhabend vielleicht. Zuerst nur genug Credits, um niemals mehr von irgendwas oder irgendwem abhängig zu sein. Dann genug, um mir Wünsche erfüllen zu können, wobei die Wünsche grösser geworden sind. Als ich zehn Jahre alt war, habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als eine Wohnung, die immer warm ist, ein Bad mit warmem Wasser, eine Küche mit einem Herd, wo ich nicht selber erst Feuerholz schlagen muss, um etwas zu kochen. Jetzt wünsche ich mir für meine Altentage ein grosses Haus mit Aussicht auf unberührte Landschaft."

"Für deine Altentage?" staunte Jerl.

Rapet lachte. "Jerl, wir werden alle älter. Wenn ich nicht im Dienst der Sternenflotte den Löffel abgebe, werde ich irgendwann pensioniert, falls ich nicht schon vorher in einen Bürojob versetzt werde. DANN möchte ich mehr haben als eine Zweizimmer-Wohnung im belebtesten Viertel von Ulan Bator. Irgendwann werde ich mehr Geld haben, als ich ausgeben kann, selbst wenn ich es mit beiden Händen zum Fenster rauswerfe. Was übrigens nicht passieren wird, ich bin vorsichtig und drehe jeden Credit dreimal rum. Ich kaufe nie was auf Raten, ich bezahle immer gleich. Aber bis es soweit ist, wird es noch etwas dauern." Sie räkelte sich in Jerls Arm zurecht. "Ansonsten bin ich ähnlich ziellos wie du. Auch bei mir geht ein Teil meines Gewinns an wohltätige Einrichtungen – und manchmal sogar ein Teil meiner Zeit, wie zum Beispiel in der Schule in Down Under auf der tengchaH 12..."

"Du warst mal in Down Under???"

"Ja doch, sogar öfter. Ich hab ein Mädchen dabei erwischt, wie es mich beklauen wollte. Statt die Sicherheit zu rufen, bin ich mit ihr in einem Imbiss essen gegangen, und hab mir erklären lassen, warum sie unbedingt meine gerade erworbene Halskette klauen wollte. Sie war keine schlechte Sorte. Ihre Eltern waren nahezu klischeehaft lebensuntüchtig und auf der Station gestrandet. Seit drei Jahren wohnten sie bereits da und... na, du kennst das ja. Alles, was das Mädchen wollte, war aus einem Impuls heraus – einmal im Leben ein bisschen Glitzerkram, bevor sie in Down Under in der Masse versank. Sie wusste nicht mal den Wert der Kette."

"Und du hast ihr das geglaubt?"

"Nein. Ich bin runtergegangen und hab nachgesehen. Und du brauchst gar nicht so zu zappeln, ich wusste, dass es gefährlich ist. Mir ist aber nichts passiert. Hab mich mit dem Mädchen an der Hand durchgefagt bis zu Mr. Rutherford, der mächtig amüsiert war, dass ich ihn wegen einer Zehnjährigen aufsuchte."

"Der wird, lange bevor du bei ihm eingetroffen bist, bereits gewusst haben, dass du zu ihm willst."

"Natürlich wusste er das. Hab ich ja beim Betreten von Down Under laut genug herausgetrötet. Ich glaube, er hat mich empfangen, weil er wissen wollte, ob ich wirklich so naiv war, wie ich klang. Vermutlich hält er mich immer noch für naiv, aber er war immerhin so nett, mir das System in Down Under zu erklären – den erzählbaren Teil davon. Eine sehr komplexe Welt, in der ein ganz anderes Wertesystem herrscht. Pekuniäre Spenden sind dort unangebracht – die Leute lernen nichts durch Spenden. Sie müssen sich ihren Teil erarbeiten, das ist das, was sie stolz macht. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bat ihn darum, dass Rheia irgendwo eine kleine Arbeit bekommen kann, deren Gewinn nicht in die Hände ihrer Eltern fliesst. Im Gegenzug versprach ich, in die Schule zu kommen und zu lehren."

"Was hast du gelehrt?"

"Was ganz einfaches: Nähen. Flicken, Stopfen, Ändern und Entwerfen, vom Schnitt über das Zuschneiden bis zum fertigen Produkt. Es ist nichts besonderes, aber jedes einzelne Kind aus meiner Gruppe weiss nun, dass es nicht rumlaufen muss wie ein Lumpenkasper, nur weil seine Kleidung ein Loch oder einen Riss hat, und keine Credits da sind für etwas neues. Es kann seine Standardkleidung ändern, und wenn es genug gearbeitet hat, um Stoff kaufen zu können, kann es sich was ganz eigenes nähen."

"Und das ist wichtig?"

"Das ist wichtig, besonders für Kinder. Wenn die ganze Kraft einer Familie für das Überleben draufgeht, bleibt nicht viel Zeit für Kinder. Du bekommst etwas zu essen, und du bekommst etwas anzuziehen – egal, wie es aussieht. Aber wenn deine Kleidung sauber aussieht, und man sehen kann, dass sie ordentlich instand gehalten wird, verleiht das eine gewisse Würde. Dazu wird dich ein potentieller Arbeitgeber eher einstellen, denn er geht davon aus, dass du dir bei der Arbeit so viel Mühe gibst wie bei deiner Kleidung. Arbeit bringt Geld, Geld verbessert deine soziale Stellung, du bekommst bessere Arbeit.... und so weiter."

"Haben sie dir geglaubt?"

"Natürlich nicht, zumindest nicht zuerst. Sie dachten, ich wäre einer der üblichen Wohltäter, die in unregelmässigen Abständen was in Down Under verbessern wollen. Aber statt irgendetwas Hochtrabendem und Unbrauchbaren lehrte ich sie Handarbeit. Es waren ein paar Kinder dabei, die dachten, ein Versuch könne nicht schaden. Der Versuch hat sich für sie gelohnt. Trotzdem – eine Erfüllung ist das nicht. Also treibe ich genau so wie du im Leben herum und schau mal, was sich so ergibt."

Jerl zog Rapet näher an sich. "Dann bin ich zufrieden, dass wir wenigstens in derselben Strömung treiben."

"Mmmmmh.... ich auch."

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Jerl Trriii
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Scientists investigate that which already is;
Engineers create that which has never been.
(Albert Einstein)


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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Sa 10. Sep 2011, 06:42 
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"Könnt ihr einen Dritten im Bunde ertragen?"

Caerlon fand sich von einer sprachlosen Rapet angestaunt – statt des üblichen Servicepersonals hatte er das Frühstück gebracht. Er war genau so gekleidet wie Jerl: lederner Lendenschurz, weiche Stiefel und das übliche Messer. Genaugenommen trug auch Rapet nichts anderes, ausser einem zusätzlichen Oberteil; und auch sie trug ein mörderisches Jagdmesser an der Seite.

"Klar können wir das, Caer. Bist du ausgebüchst?" Jerl nahm seinem Bruder den Frühstückskorb ab. "Überdosis Mutter?"

"Schwere Überdosis. Wir waren auf der Buchauktion auf Damino III. Vater, Mutter, Biddy und ich. Mama und Biddy ein Herz und eine Seele, Vater deutlich amüsiert." Caerlon half Rapet, den Korb auszupacken und reichte ihr als erstes die Thermoskanne mit dem Tee. Sofort verlor sie das Interesse an allem anderen und füllte ihre Tasse.

"Lass mich raten – es besteht nicht mal mehr der Schatten einer Chance, dass die beiden glauben, Biddy sei von Turkana?" fragte Jerl und forschte nach der Thermoskanne mit Kaffee.

"Nicht, wenn sie sich so betragen hat wie auf dem Ball." murmelte Rapet in ihre Teetasse. "Ist Botschafter Mrreet verpflichtet, irgendwelchen Verdacht an irgendwelchen Stellen zu äußern, Com... Caerlon?"

"Solange sie mich nichts näheres fragen, muss ich auch nichts antworten." antwortete Caerlon. "Zum Glück für uns alle wird Biddy gebraucht. Sie ist heute Morgen zu Trans Eupe aufgebrochen..."

"...und du bist gerannt wie ein Hase." stellte Jerl sachlich fest. "Auf der Flucht vor mütterlichen Visionen einer grandiosen Hochzeit und einer Schar quengelnder Kinder, auf ewig festgenagelt in einem hübschen Büro in SanFran."

"Das auch. Und nachdem ihr euch verkrümelt habt, statt Mama abzulenken, blieb mir nichts anderes übrig, als euch zu folgen. Ich hätte gerne mal ein paar Tage richtigen Urlaub."

"Wenn richtiger Urlaub bedeutet, dass du nichts wirklich bedeutsameres machst als in der Gegend herumzutollen und die Freiheit geniessen – dann bist du hier richtig." Rapet wurde trotz geringer zu sich genommener Teemenge beinahe gesprächig. "Und KEINE Gesellschaft mittendrin – bis zum Ball des Präsidenten der galaktischen Handelskammer."

"Das sind ohnehin nur noch fünf Tage. Ich könnte es drei Mal so lange ohne Gesellschaft aushalten." Caerlon inspzierte ein belegtes Brot mit Ei.

Jerl nahm es ihm weg und reichte es Rapet weiter. "Ich auch. Aber Biddy scheint das zu geniessen."

"Mit dem Geniessen ist erstmal Schluss." Rapet biss genüsslich in ihr Brot. "Nun ist sie wieder Pilotin bei Trans Eupe. Aber vielleicht sollte man doch mal bei Gelegenheit den Lebenslauf überarbeiten – oder zugeben, wer sie wirklich ist. SO schlimm kann das auch nicht werden."

Bevor Caerlon etwas passendes erwidern konnte, lächelte Rapet in die Runde. "Gibt es hier gefährliche Tiere, oder kann man in dem See da schwimmen?"

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Caerlon Mrreet
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Always remember, everyone is hungry for praise and starving for honest appreciation.
(David Berg)


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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Sa 10. Sep 2011, 06:44 
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"Ich bin doch wieder da!" sagte Rapet und schob Bastet von ihrem Padd. "Kann ich wenigstens noch atmen?" Umständlich klaubte Rapet Sekhmet von ihrer Schulter und hob Snow von ihrem Kopf. Sie lag langestreckt auf dem Bürosofa vor ihrer Medienwand und gab es schliesslich auf, arbeiten zu wollen. Jedesmal, wenn sie sich zu rühren drohte, kam eine Katze und liess sich auf ihr nieder. Oder auf dem Padd. Oder sonst irgendwo, wo Rapet hinzugreifen wünschte.

"Wie lange soll das noch so gehen?" erkundigte sich Rapet. "Ein Tag lang ist ja ganz in Ordnung, aber ich muss auch mal wieder arbeiten! Der Captain reisst mir sonst den Kopf ab!"

"RRReon." meinte Bastet bestimmt, aber Rapet widersprach ihr. "Caerlon ist er nur in der Freizeit und ausserhalb des Schiffes. JETZT ist er wieder mein Captain."

Bastet schob die Teetasse zu Rapet, während Sekhmet sich Mühe gab, das Eingabepadd zwischen zwei Konsolen zu schubsen. Snow liess sich entschlossen auf Rapets Bauch nieder.

"Man sollte meinen, dass man euch in unserer Abwesenheit schlecht behandelt hätte!" Rapet gab es auf, Snows Krallen aus ihrer Uniform zu ziehen. "Okay, okay, ist ja schon gut! Aber nur noch für heute, verstanden? Wenn der Captain erfährt, das sämtliche Katzen mich an der Arbeit hindern, habt ihr Verbot für mein Büro."

Die Katzen heuchelten Einverständnis, und so lag Rapet mit drei kuschelbedürftigen Fellbällen auf dem Sofa herum und hatte Zeit, die letzten Tage zu überdenken...


Die schönste Zeit auf Billionaire's Paradise waren die Tage in der Steppe gewesen. Ein bisschen wie auf Crusoe, nur dass der Captain dort viel angespannter gewesen war. Es wurde Rapet leicht, ihn Caerlon zu nennen, denn in den letzten Tagen war er ein Mann gewesen, der mit seinem kleinen Bruder Katzbalgereien veranstaltete, am Feuer Geschichten erzählte und im See herumalberte. Kein Wunder, das Jerl gerne Lieutenant bleiben wollte: Verantwortung war eine Last, die man erst erkannte, wenn sie von jemandem abfiel. Rapet hatte ihren Chef niemals so gelöst, so... nahbar erlebt, wie in diesen fünf Tagen, wo die drei ein luxuriöses Outdoor-Dasein genossen.

Aber alles änderte sich wieder beim Ball des galaktischen Handelskammer. Der Ball war das prächtigste Ereignis des Flower Breaks. Bisherige Gesellschaften waren mehr oder minder exklusive Veranstaltungen gewesen, an denen trotz der Zugehörigkeit zur Oberschicht nur ausgewählte Personen teilnehmen durften. Aber an diesem letzten Ball erschien alles, was sich bewegen konnte. An an diesem Tag waren beim Defilée in den Ballsaal Medien zugelassen, und natürlich wollte jeder gesehen werden.

Die meisten Damen erschienen wieder in weisser Garderobe mit Blumen. Rapets Kolibrikleid fiel auf wie roter Alarm. Man war an Roben gewöhnt, die von den namhaftesten Designern für diese Gelegenheit angefertigt wurden, und die natürlich alle anderen schon beim ersten Blick in den Schatten stellen sollten. In Rapets Kleid aus sattgrüner Spinnenseide fielen die Umrisse von Blättern und Ranken nicht auf, nicht einmal die winzigen Kristalle. Dieses Mal trug Rapet ein Collier, das sich wie eine Blätterranke von der leuchtenden Lilie am Dekolleté hoch und einmal um ihrem Hals schlängelte. Rapet wirkte elegant, aber schlicht und schmucklos, solange die die statischen Aufnahmen für Magazine und Hintergrundbilder in Newscastern gemacht wurden. Aber dann wandte sich die Familie Mrreet zum Gehen, um einer anderen illustren Gesellschaft für die Medien Platz zu machen, und Rapets Kleid enthüllte auf einmal für alle sichtbar ihr Geheimnis: Der satte Farbton wandelte sich zu Grünschattierungen, als striche ein leichter Wind über einen Hain, zwischen den Blattumrissen brach sich das Licht in zarter Stickerei, strahlende Blüten wurden sichtbar und verschwanden in der Bewegung, die Kristalle blinkten auf, als bräche sich Sonnenlicht in plötzlich Tautropfen, und überraschend erschien der juwelengleiche Kolibri, der auf die Lilienblüte am Dekolleté zuzufliegen schien. Es gab Rufe, dass Rapet noch einmal zurückkommen sollte, aber sie lachte nur, winkte freundlich und verschwand mit den Mrreets im Ballsaal.

Der Ball selber war.... langweilig. Es war eine Societyangelegenheit, bei der man medienwirksam auftrat und zeigte, was man hatte oder vorgab zu haben. Man liess sich in der Menge treiben, tauschte Konversationsfetzen oder kleine Spitzen aus... Zeitweise kam es Rapet wie ein Kindergarten vor, wo alle Kinder mit ihren Schäufelchen und Förmchen die anderen zu übertreffen suchten. Aber es war wichtig, gesehen zu werden, nicht zuletzt in den Medien, und das traf auch für Rapet zu: Sie war sicher, dass es ein paar Leute geben würde, die die Bezugsadresse des Kolibrikleides wissen wollten. Kein Grund, Visitenkarten auszuteilen oder den Namen von Kailialea Ltd. fallen zu lassen, das wäre ein nicht wieder gutzumachender Fauxpas gewesen – ausserdem würden die Medien das schon recherchieren. Biddy hätte den Ball durch und durch genossen, konstatierte Rapet, aber ihr selber würden diese Einladungen wohl niemals Entzückensschreie entlocken.

Was ihr weit, weit mehr gefiel als alle Bälle der Welt: Der letzte Sonnenaufgang in Billionaire's Paradise. Rapet sass im Dunkeln auf der Bank am kleinen See hinter dem Haus und wartete auf den ersten schwachen rosigen Schimmer, der das Erscheinen der Sonne ankündigte. Längst schon war das Zirpen der Grillen verschwunden, und die ersten Vögel regten sich bereits. Leises Rascheln erklang hinter ihr, und Rapet wusste, dass sich jemand Mühe gab, seine Schritte hörbar zu machen.

"Schlafen Sie noch nicht oder nicht mehr, Ms Desbran?" fragte Botschafter Mrreet.

"Noch nicht, Sir. Setzen Sie sich doch." Rapet rutschte einladend ein wenig zur Seite. "Warten Sie auf den Sonnenaufgang?"

"Ja, Sie auch?" Der grosse Mann setzte sich neben Rapet.

"Man hat so wenig Sonnenaufgänge im All, und ich liebe Sonnenaufgänge. Vor hunderten von Jahren sahen unsere Vorfahren die Sonne aufgehen und freuten sich auf einen neuen Tag, einen neuen Anfang... und Hunderte von Jahren nach uns werden es unsere Nachkommen tun."

"Empfinden Sie einen neuen Tag als einen neuen Anfang?"

"Ja, immer. Jedesmal, wenn ich einen Sonnenaufgang sehe. Als Kind sass ich in der Steppe und stellte mir vor, wie ein anderes Leben wohl aussehen mochte, wenn ich in einer Stadt wohnen würde. Als ich die Stadt erreicht hatte, wurde ich allerdings zeitweise durch Seifenopern gebremst."

"Ich wusste nicht, dass die etwas bremsen können."

"Doch, mich. Ich sah eine Welt von der ich geträumt hatte, als ich in der Steppe war, und von der ich nun wusste, dass ich sie nicht erreichen konnte – ein Mädchen ohne Ausbildung erreicht nicht wirklich viel. Dachte ich jedenfalls und versank in Seifenopern und träumte mich mitten hinein. Sonnenaufgänge brauchten mich zurück ins richtige Leben. Jeder Tag war ein neuer Anfang, und ich fing an, mich um die Verwirklichung meiner eigenen Träume zu kümmern."

Beide betrachteten den Himmel, wo der rosige Schimmer sich langsam ausweitete. Die Vögel hatten das auch bemerkt und begannen bereits mit enthusiastischen Morgengezwitscher.

"Übrigens schlafen sie auch nicht, Sir." merkte Rapet an. "Noch wach oder schon wieder?"

"Schon wieder, im Gegensatz zu Ihnen. Die reale Welt, wie Sie es nennen, hat mich bald zurück, und damit kommen auch die Sorgen der realen Welt erneut. Manchmal denke ich, es wäre leichter, in einer der Seifenopern zu leben, die Sie so mochten. Dann wäre ich ein Firmenpatriarch oder etwas ähnliches mit einer entzückenden Frau und Vater von zwei Söhnen, die Wege einschlagen, die mir selber fremd sind..." sinnierte Mrreet.

"Klingt nach einem guten Anfang. Welche Wege gehen die Söhne denn?"

"Interessante Frage. Sie führen das Familienunternehmen nicht weiter, sondern wählen andere Berufe. Der ältere Sohn ist Vorstand irgend einer anderen Firma und durch und durch seriös, der jüngere ist ein Abenteurer, der bald dies, bald das macht und nie lange stillsitzen kann. Und natürlich gehören auch Frauen dazu. Während der Ältere seine Affären diskret führt, ist es dem Jüngeren völlig egal, was man über seine wechselnden Freundinnen spricht."

Rapet wurde es ungemütlich, aber sie lachte leise: "Eine solide Basis für weiterfolgendes Garn. Was passiert dann?"

"Oh... dem Vater wird eines Tages zugetragen, dass zwei Frauen in das Leben seiner Söhne aufgetaucht sind. Und über beide weiss man nur wenig. Für die eine Frau wurden die Daten einfach nicht besonders erfasst, für die andere wurden alle Daten zufällig zerstört. Beide scheinen nicht das zu sein, was sie zu sein vorgeben." Die Bank knirschte ein bisschen, als Botschafter Mrreet sich zurücklehnte.

"Der Anfang einer laaaaangen Serie. Wie wollen Sie es nennen? 'Run in the Family'? Die eine Frau ist natürlich in Wirklichkeit ein hart arbeitender Niemand aus einem obskuren kleinen Dorf inmitten von Nirgendwo. Und natürlich hat sie sich den Abenteurer geschnappt. Dramaturgisch viel besser." ergänzte Rapet eifrig. "Und die Freundin des Seriösen ist in Wirklichkeit eine Prinzessin oder sowas auf der Flucht und muss sich verstecken, um das Leben ihrer Tochter nicht zu gefährden. Die Tochter ist nämlich in der Hand des ortsansässigen Mieslings, der glaubt, dass die Prinzessin tot ist, und nun die Tochter in seinem Sinne erzieht. Bevor die Prinzessin sich zu erkennen geben kann, muss sie selbstredend erst die Tochter befreien, und das ist eine verwickelte Sache für sich ganz allein. Bestimmt gut für 20 Folgen. Hm... da fehlt aber was..."

"Was fehlt denn?" kam die erstaunte Frage.

"Einfach nur Söhne mit lösbaren Problemen sind viel zu... richtiges Leben. Viel zu gradlinig. Um das Publikum zu faszinieren, braucht es noch mehr, egal wie unwahrscheinlich es ist." Rapet erwärmte sich für die Geschichte. "Ich hab's! Sie haben Ihre Tochter aus einer anderen Beziehung vergessen!"

"Ich habe eine Tochter aus einer anderen Beziehung?" fragte der Botschafter verblüfft.

"Wenn es eine richtige Seifenoper werden soll, dann schon. Sie hatten mal einen Unfall, erlitten eine Amnesie und konnten sich nicht erinnern, wer Sie waren. Die Krankenschwester, die sie gepflegt hat... Sie wissen schon. Die Tochter wurde aus der Wiege geraubt, und wenn Sie allein sind, denken Sie mit sorgenvoll zerfurchter Stirn darüber nach. Ihre Frau weiss natürlich nichts davon. Die Tochter erscheint erst in Folge 1298 wieder, und dann ist sie eine verführerische Schönheit und sorgt für anderen Ärger, den die Drehbuchschreiber noch niederschreiben müssen."

Cadyryeith Mrreet lachte. "Sie haben eine wunderbar üppige Phantasie, Ms Desbran. So gesehen bleibe ich lieber beim richtigen Leben, ohne Tochter, aber mit Söhnen und lösbaren Problemen."

"Sehen Sie, Sir, zu dem Schluss bin ich bei den Seifenopern auch gekommen." Rapet legte ihre Hand leicht auf die Mrreets. "Da, die Sonne kommt."

Tatsächlich, inmitten der Strahlen die schon seit einiger Zeit den Himmel erhellten, erschien das erste Glitzern. Licht erhellte den Morgennebel über dem See, dessen Schleier nun unter dem ersten Sonnenschein sanft aufglühte. In einträchtigem Schweigen genossen die beiden den immer heller werdenden Morgen.

Rapet riss sich aus ihren Erinnerungen und schubste die Katzen entschlossen von sich. "Kuscheln ist gut und schön, aber ich MUSS die Daten über diesen obskuren Nebel bearbeiten." Sie stand auf und holte ihr Padd zwischen den Konsolen hervor.

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Rapet Desbran
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Safety is something that happens between your ears, not something you hold in your hands.
(Jeff Cooper)


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 Betreff des Beitrags: Re: 12 – Top Secret
BeitragVerfasst: Di 11. Okt 2011, 18:38 
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Ein kleiner Abstecher zur tengchaH 12 für einen Trip in ein Paralleluniversum, bevor es hier weitergeht Katzenbande...
:floet:

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Caerlon Mrreet
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